Auf dieser Seite habe ich einen interessanten Artikel aus der „Zeit“ vom 31.1.2008 eingestellt, der sich mit dem Thema Meditation beschäftigt. Sie finden ihn hier als PDF: Artikel über Meditation

Als kleine Inspiration gibt es hier noch ein paar kurze Texte mehrerer Mystiker aus verschiedenen Kulturen und Epochen:

Johannes Tauler (um 1300-1361)

Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht, hat das menschliche Ich für sich selbst nichts. Das Ich hätte gerne etwas und es wüsste gerne etwas und es wollte gerne etwas. Bis dieses dreifache "Etwas" in ihm stirbt, kommt es den Menschen gar sauer an. Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit. Man muss dabei aushalten, dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.
Suche nichts als ein reines, einfaches Entsinken in das reine, einfache, unbekannte, namenlose, verborgene Gut, das Gott ist, und alles, was sich in ihm enthüllen mag.
Alles soll sich an sein Nichts halten: Nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen, nichts suchen, nichts haben wollen. Suche weder Empfindung noch Erleuchtung! Entsinke in dein Nicht-wissen und Nicht-wissen-wollen!
Die Tiefe, die Gott ist, ist ein solcher Abgrund, dass aller geschaffene Verstand sie nicht zu erreichen vermag. Dieser Tiefe soll der Mensch begegnen mit der eigenen Tiefe: das ist, dem grundlosen Abgrund einer unergründlichen Selbstvernichtung.
Das heißt: könnte er ganz zu einem lauteren Nichts werden, das hielte er für recht und billig. Das kommt aus der Tiefe und der Erkenntnis seines Nichts.

(Anm.: Das "Nichts" ist nicht gleichbedeutend mit „nicht vorhanden“, sondern eher mit „für den Verstand nicht fassbar“. In der gleichen Weise ist auch das Wort Selbstvernichtung zu betrachten, welches natürlich nicht mit Zerstörung assoziiert werden soll, sondern mit Selbst-Transzendenz.)

Daio Kokushi (1282-1337)
Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht. Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen. Augen können sie nicht sehen. Lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren. Sie Geist oder Buddha zu nennen, entspricht nicht ihrer Natur.
Nicht Geist noch Buddha ist sie; vollkommen ruhig erleuchtet sie in wunderbarer Weise. Nur dem klaren Auge ist sie wahrnehmbar. Das Dharma ist sie, und Wirklichkeit jenseits von Form und Klang. Das Tao ist sie, und Worte haben nichts mit ihr zu tun.
In der Absicht Blinde anzuziehen, ließ Buddha seinem goldenen Munde spielerische Worte entspringen; seitdem sind Himmel und Erde überwuchert mit dichtem Dornengebüsch.
O meine lieben und ehrenwerten freunde, die ihr hier versammelt seid: Wenn ihr euch danach sehnt, die donnernde Stimme des Dharma zu hören, gebt eure Worte auf, entleert eure Gedanken, dann kommt ihr so weit; das eine Sein zu erkennen.

Kabir (1440-1518)
Das, was du suchst, ist nicht; und für das, was ist, fehlen die Worte. Du glaubst nicht ohne zu sehen; was nur erzählt wird, ist dir anzunehmen nicht möglich. Wer unterscheiden kann, weiss durch das Wort; und der Unwissende steht gaffend daneben. Einige betrachten das Gestaltlose, andere meditieren über die Form. Aber der Weise weiss, dass Brahma jenseits von beiden. Seine Schönheit ist dem Auge nicht sichtbar, sein Versmass fürs Ohr nicht zu hören.
Kabir sagt: Wer beides fand, Entsagung und Liebe, steigt niemals hinab zum Tod.

Fridolin Stier (1902-1981)
Geh, verlass die Heimat, die Welt, darin du geboren bist, darin du dich eingerichtet hast - das Haus voll von den Namen der Dinge, die um dich sind, lass alles, was dir die Sprache über sie zu wissen gibt, lass auch alles, was dir die Wissenschafft über sie vorspricht, lass auch die Begriffe, mit denen du nach den Dingen greifst - lass dieses Haus hinter dir, geh! Dann wirst du, vielleicht wirst du dann dem Anderen begegnen, für das du weder Namen noch Wissen noch Begriffe hast, dem ur- und ingründig Wirklichen und Wirkenden begegnen.
Du wirst - schauen - Dann ist kein Ding mehr, was es Dir zuvor gewesen, ein jedes, eins um das andere, wird dir einen Namen sagen, den du nicht nachsprechen kannst.
Und dann wird dir, vielleicht wird dir dann aus allem und jedem, das um dich ist, das Unnennbare erscheinen, und du wirst jene Stimme hören, die du noch nie gehört, sehr nah und gewaltig wirst du sie rufen hören:
ICH BIN DA!